Neue Sonderausstellung 26. März bis 28. Juni 2026
mit einer zeitgenössischen Intervention von Gintare Sokelyte
Die neue Sonderausstellung im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)
ist in mehrfacher Hinsicht etwas Besonderes. Die fragilen bildhauerischen Werke Wilhelm Lehmbrucks (1881–1919) werden von Museen
nur selten auf Reisen geschickt, weswegen Lehmbruck-Sonderausstellungen nur in größeren Zeitabständen stattfinden. Die letzten waren
2021 im Beuys-Jubiläumsjahr in Duisburg sowie 2018 in der Staatsgalerie Stuttgart zu sehen. In Mitteldeutschland hat es eine solche Perso-
nalausstellung zu Ehren des Künstlers seit Jahrzehnten nicht gegeben.
Die letzte fand 1981, noch zu DDR-Zeiten, anlässlich des 100. Geburtstags des Künstlers im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) statt.
Die aktuelle Ausstellung stellt erstmals überhaupt die intensive Zeit der letzten fünf Lebens- und Schaffensjahre Wilhelm Lehmbrucks, die er
1914 bis zu seinem Freitod 1919 in Berlin und Zürich verbrachte, in den Fokus. Geprägt von den Auswirkungen des Ersten Weltkriegs und seiner
zeitweiligen Tätigkeit als Sanitäter in einem Berliner Lazarett, beschäftigte sich Lehmbruck mit den existenziellen Fragen des Menschseins. Vor
allem in seinen Plastiken entwickelte er dafür eine neue, stille und höchst poetische Formensprache. Während einige Arbeiten von der konkreten
Auseinandersetzung mit dem Sterben auf den Schlachtfeldern zeugen, steht vor allem die Verletzlichkeit des Menschen, seine Fähigkeit, Trauer,
Verzweiflung, aber auch Mitgefühl zu empfinden, im Zentrum der anrührenden Werke Lehmbrucks, was sie in Zeiten zahlreicher gegenwärtiger
Kriege und gewalttätiger Konflikte weltweit hoch aktuell macht. Zudem vermitteln Lehmbrucks Werke ein Bild von Männlichkeit, das damals wie
heute tradierten Stereotypen widerspricht und zur Diskussion anregt.
Die Ausstellung vereint rund 70 Werke Lehmbrucks mit Gemälden und Grafiken von Zeitgenoss*innen, die er persönlich gekannt hat und zu deren Arbeiten künstlerische Verwandtschaften bestehen. Ebenfalls etwas Besonderes und Seltenes ist der Umstand, dass in der Ausstellung neben Lehmbrucks berühmten Plastiken und den Zeichnungen und Grafiken
erstmals auch seine Malerei entdeckt werden kann.
Die Ausstellung basiert auf einer Idee von Dr. Angelika Affentranger-Kirchrath, Zürich, und wurde gemeinsam mit Dr. Sandra Gianfreda vom
Kunsthaus Zürich, wo sie vom 24.10.2025 bis 18.01.2026 zu sehen war,
und unterstützt durch das Lehmbruck Museum Duisburg erarbeitet sowie in Halle (Saale) von Dr. Katharina Rüppell kuratiert.
In einer eigens für die Ausstellung konzipierten plastischen Intervention tritt die Künstlerin Gintare Sokelyte (* 1986) in einen Dialog mit Lehm-
brucks Kunst.
Anders als bei Lehmbruck bleiben die Oberflächen der Körper ihrer Figuren nicht intakt, vielmehr gewähren höhlenartige Öffnungen Einblicke
in das Innere der Figuren. Diese Freilegungen des Innenlebens machen Material und Konstruktion und damit den Entstehungsprozess der Plas-
tiken sichtbar. Im übertragenen Sinne stehen sie aber auch für Einblicke in das Gefühls- und Seelenleben der Figuren. Die fragilen Gestalten
erzählen, jede auf ihre Weise, vom Körper als Träger des menschlichen Gefühlslebens und von der Wandelbarkeit des Körpers und der Psyche
des Menschen.
– 21 Plastiken und Skulpturen, 38 Druckgrafiken und Zeichnungen und 1 Digitalisat von Grafiken sowie 6 Gemälde von Wilhelm Lehmbruck
– 13 Werke von anderen Künstler*innen, mit denen Lehmbruck in Kontakt stand
– 2 Skulpturen der Künstlerin Gintare Sokelyte
– 1 Gussform einer Plastik von Wilhelm Lehmbruck
– 1 Miniaturinstallation zum Thema Bronzeguss mit insgesamt
14 Miniaturobjekten
Die Verbindung zwischen Wilhelm Lehmbruck, einem der bedeutendsten Bildhauer seiner Generation, und dem Kunstmuseum Moritzburg
Halle (Saale) ist bemerkenswert. Heute befinden sich 5 plastische und 15 grafische Arbeiten im repräsentativen Werkbestand des Museums.
Die frühesten Ankäufe von Lehmbruck-Werken erfolgten bereits durch den ersten Direktor des Hauses, Max Sauerlandt (1880–1934), der ab
1914 in persönlichem Kontakt mit dem Künstler stand. 1937 wurden die Arbeiten, anders als in vielen anderen deutschen Museen, nicht von
den Nationalsozialisten als „entartet“ beschlagnahmt und blieben in der Sammlung erhalten. Sie sind heute ein wichtiger Teil der permanenten
Sammlungspräsentation des Museums.
Quelle Moritzburg Halle